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 "Einsames sterben."

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MIssyLi
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BeitragThema: "Einsames sterben."   Do Apr 25, 2013 10:46 am

Dies ist einer kleine One Shot über einen einsamen Vampir. Es kam mir grade so ganz spontan und ich musste es einfach aufschreiben hehe. Ich hoffe doch, das es euch gefallen könnte ^^
Viel Spaß also damit!

Eure Missy


Einsames sterben



Sanft umwehte der eisige Wind sein braunes Haar, verfing sich gelegentlich in seinen smaragdgrünen Augen und trieb ihm leichte Tränen hinein. Doch das interessierte ihn nicht weiter. Er wollte nur hier stehen und die Natur, den Frieden, einen kleinen wahnwitzigen Moment genießen, ehe es enden würde. Müsste.
Der Wind wurde stärker und zerrte nun auch an seiner lockeren Kleidung. Außer einer schwarzen Jeans und seiner Lederjacke in dergleichen Farbe, trug er nichts am Leib.
Er schloss seine klaren Augen und versuchte nur noch die vielen unterschiedlichen Geräusche wahrzunehmen. Ein freudiges Lächeln legte sich auf seine sonst so spöttische Miene.
Ruhe, dachte er nur leichthin, fühlte die tosenden Böen um seinen Körper.
Das war es, was er all die Jahrhunderte gewollt hatte. Einfach nur seine Ruhe. Die ewige, alles verschlingende Ruhe. Zu lange schon verweilte er auf dieser trostlosen kleinen Welt.
Gejagt, gehetzt, nie in Ruhe gelassen und doch so einsam, wie sonst kein Wesen auf diesem blauen Planeten war. Geächtet von seinesgleichen, von der so vielgeliebten Familie!
Nein, dahin wollte er niemals wieder zurück. Lieber würde er gleich hier sterben wollen, seinem nutzlosen leben endlich ein Ende bereiten, doch auch das war ihm nicht vergönnt. Noch nicht, korrigierte er sich schnell und lächelte erneut bei der leichten Erinnerung.

Der Wind peitschte nun schon direkt in sein Gesicht, sodass er es weg drehen musste. Dabei fiel sein Blick auf ein kleines Mädchen unten am Strand.
Sie baute grade eine Sandburg, während die tosenden Wellen sich neben ihren kleinen, schmalen Körper brachen und sie fast berührten. Lange würde die Flut nicht mehr auf sich warten lassen und der Braunhaarige konnte nur daran denken, dass hoffentlich bald jemand die Kleine von hier weg bringen würde.Gegen diese Naturgewalt hatte sie keinerlei Chance zu überleben.
Wenn das eiskalte Wasser sie erst einmal in seinen eisernen Klauen hatte, würde sie sterben, einsam und allein.
Nein, dachte Kain und schüttelte den Kopf.
Er würde ihr dabei zusehen, damit sie nicht so alleine wie er wäre. Er würde dem kleinen Körper zusehen, wie er gegen die spitzen Klippen geschlagen wird. Sehen wie das Leben allmählich aus den Lungen des Mädchens wich. Und dann würde er die leblose Gestalt aus dem Wasser fischen und an den Strand lege, wo sie hoffentlich gefunden werden würde.
Kain lächelte nun grimmig und sah ihr weiter zu. Das Wasser umspülte nun schon ihre kleinen Füße, die in losen Sandalen steckten und durch die Feuchtigkeit nun dunkler waren.
Das Mädchen begann langsam von der Kälte zu zittern. Ihre schmalen Schultern bebten immer mehr und es schnürte Kain das Herz zusammen.
Er könnte sie retten, verhindern das ein unschuldiges Leben erlöschen würde, doch er verharrte reglos auf der Klippe, sah ihr einfach nur zu.
Der Zaum ihres rosafarbenen Kleides war triefend nass und doch blieb sie an Ort und Stelle, baute weiter ihre kleine Sandburg, zog sogar einen kleinen graben darum und schmückte das Gebilde mit kleinen Steinen.
Sie bewegte sich keinen Millimeter von der Stellen und Kain fragte sich, ob sie überhaupt die sich ihr drohende Gefahr wahrnahm.
Anscheinend nicht. Er fluchte leise und sah in den Himmel hinauf.
Die grauen Wolken hatten die strahlende Sonne verschwinden lassen und kündigten einen Regenschauer, wenn nicht gar einen Sturm an.
Kain sah wieder zu der Kleinen und kämpfte innerlich mit sich.
Er hatte nicht das recht, ihr Leben zu retten, aber auch nicht, es zu Ende gehen zu sehen. Er hatte keinerlei Rechte. Das wurde ihm erst jetzt schmerzlichst bewusst.
Sein ganzes Leben lang, hatte er keine Rechte besessen, nicht mal über sich selbst.

Er überdachte sein langes Leben, während er weiter zusah, wie der kleine Körper nun richtig von dem eisigen Meer umspült wurde.
Seine Kindheit, die mehr einer Strafe glich.
Sein Vater hatte ihn nicht gewollt, den unehelichen Sohn. Seine Mutter hatte ihn noch vor seiner Geburt verstoßen und einfach aus ihrem Leib geschnitten, weggeworfen in einen Fluss...
Die Geschwister weigerten sich in seiner Nähe zu sein und Freunde?
Die hatte es nie gegeben. Man ließ ihn niemals irgendwo mitspielen, schubste ihn nur weg wenn er sich ihnen näherte.
Die Jugend verlief nicht anders. Während alle ihre Gefährten fanden und glücklich wurden, ließ man ihn nicht an sich heran.
Es verlief so viele Jahre, Jahrzehnte, im gleichen Trott.
Erst als er in die Armee des damaligen Königs, Henry II, änderte es sich für eine kleine Zeitspanne.
Kain war seit jeher ein gnadenloser Krieger, getrieben von den Wunsch, endlich auch einmal ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu sein.
Doch länger als bedeutungslose zehn Jahre, waren ihm auch dort nicht vergönnt. Er durfte nicht als das was er war erkannt werden.
Auch seine Liebe zu Rosamunde, der unehelichen Tochter des Königs, durfte er nicht ausleben, musste zusehen wie sie einen Mann heiratete, sich verliebte und mit diesem Mann Kinder bekam.
Dies war nun beinahe Sechshundert Jahre her.

Ein kleiner, spitzer Schrei schreckte ihn aus seinen Gedanken der Vergangenheit hoch.
Fast schon entsetzt sah er, wie das Mädchen in die tosenden Wellen gezerrt wurde, wie ihr Körper hin und her geschleudert wurde und sie nichts weiter tat um sich zu retten.
Erst jetzt bemerkte er, das sie sich nicht wehren konnte, die Kleine war von Hüfte abwärts gelähmt...
Panik machte sich in ihm breit.
Kain wollte sie nicht sterben sehen, wollte nicht das sie ihr Leben aushauchte.
Mit den goldschimernden Haar und den kristalblauen Augen, war sie schon jetzt wunderschön an zu sehen.
Ohne weiter darüber nach zudenken, was es für Konsequenzen nach sich ziehen könnte, sprang er in das nasse Ungetüm mit dem Name Meer.
Schnell hatte er das Mädchen erreicht und hielt ihren Kopf mühelos aus dem Wasser. Wie leicht sie war, dachte er bekümmert und schwamm mit ihr zu dem Strand, an dem von ihrer so liebevoll gebauten Sandburg rein gar nichts mehr übrig war.
Vorsichtig legte er den leblosen Körper in den Sand, wo die wütenden Wellen ihr nichts mehr anhaben konnten.

Sie atmete noch, jedoch nur sehr schwach. Sein Herz schlug immer wilder gegen seinen Brustkorb.
Sie musste leben, durfte nicht so einsam hier sterben.
So wie er es gelernt hatte, drückte er in einen gleichbleibenden Takt auf ihren Brustkorb, solange bis sie das salzige Wasser wieder ausspie. Die Kleine hustete wild und kniff die Augen zusammen.
Kain sah ihr einfach nur dabei zu, verhielt sich vollkommen ruhig.
Erst als sie sich ein wenig erholt hatte, ergriff er das Wort.
"Wo sind deine Eltern?", fragte er barsch. Seine Stimme war kratzig. Zu lange schon, hatte er kein Wort mehr gesprochen. Er hielt es ganz einfach nicht für nötig, seinen Atem zu verschwenden. Ihm hörte eh niemand zu, also wozu etwas sagen...?
"Sie sind dort drüben, Sir", sagte sie leicht heiser. Das Salz musste in ihrer Kehle brennen, als würde sie feuer schlucken Und doch sprach sie vollkommen ruhig.
Er bewunderte sie dafür und war erneut versucht, zu lächeln.
"Und wie heißt du?, wollte er weiter wissen. Sie sah ihn aus ihren wunderschönen, großen Augen an.
"Emilia, Sir", antwortete sie aufrichtig und musterte ihn genauer. Ihre Augen trafen auf seine und hielt ihn gefangen. Ihre Blicke wurde erst unterbrochen, als die Kleine ich erneut übergeben musste.
Hilfsbereit klopfte er ihr auf den Rücken.
"Und wie alt bist du?"
"Ich werde in einigen Tage bereits 13", verkündete sie mit Stolz in der monotonen Stimme.
"13 also", murmelte er und sah zu nun endlich zu dem Punkt, an dem sie ihre Eltern vermutete.
Dort stand ein kleines Anwesen, dass erst kürzlich neu bezogen worden war.
"Ihr seid also hierher gezogen vermute ich!" Emilia nickte ihm zu.
"So ist es, Sir. Mein Vater hat ihr eine neue Stelle bekommen", berichtete sie nun schon sehr viel fröhlicher und setzte sich bequemer hin.
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